Spätestens wenn die kalte Jahreszeit beginnt, hört man hier und da wieder das Aufheulen einer Kettensäge. Der Nachbar schneidet privat Brennholz oder pflegt sein Grundstück oder die Forstwirte kümmern sich um den nahegelegenen Wald. Da kann es verlockend sein, sich so ein Gerät zu leihen und kurzerhand selbst mit der Arbeit zu beginnen. Doch was viele Menschen nicht wissen, ist, dass dafür in vielen Fällen ein Nachweis erforderlich ist. Der offiziell auch Motorsägenführerschein genannte Ausweis ist in Deutschland Pflicht, wenn man mit der Säge außerhalb des eigenen Grundstücks arbeitet. Also zum Beispiel im Wald, auf Gemeindegrund oder im Auftrag anderer – zum Beispiel beim Nachbarn. Das Ziel ist, Sicherheit zu gewährleisten, Unfälle zu vermeiden und die richtige Handhabung der Maschine zu lernen. Der Kurs zum Kettensägenschein ist demnach Pflicht, vermittelt allerdings auch wertvolle Praxiskenntnisse, die selbst für private Nutzer sinnvoll sind.
Ein unbegrenzt gültiges Zertifikat
Die offizielle Bezeichnung des Kurses ist “Lehrgang zur sicheren Handhabung von Motorsägen”. An dieser Stelle ist eine Differenzierung notwendig. Denn anstatt ein staatlicher Führerschein im klassischen Sinne zu sein, ist der Kettensägenschein ein anerkannter Qualifikationsnachweis, der unter anderem von Berufsgenossenschaften, Forstämtern und Gartenbauverbänden angeboten wird. Wird der Kurs erfolgreich abgeschlossen, erhält man ein Zertifikat, das unbegrenzt gültig bleibt, wenn auch ein Auffrischungskurs nach längerer Zeit der Inaktivität empfehlenswert ist.
Wer am Kurs teilnehmen darf
In der Regel dürfen alle Menschen ab 18 Jahren am Kurs teilnehmen und den Kettensägenschein erhalten. Eine Ausnahme gilt bei manchen Anbietern für Kinder ab 16 Jahren, sofern ihre Eltern eine Einverständniserklärung abgeben. Neben dem Alter müssen auch die körperliche und geistige Eignung festgestellt werden. Wer nur eingeschränkt sehen oder hören kann oder andere gesundheitliche Einschränkungen hat, könnte bei der Arbeit gefährdet sein und ist deshalb vom Kettensägenschein ausgeschlossen. Steht der Teilnahme allerdings nichts im Weg, ist lediglich eine Schutzausrüstung Pflicht. Diese kann in vielen Fällen einfach vor Ort ausgeliehen werden und besteht in der Regel aus Schnittschutzhose und -stiefeln, einem Helm mit Gehör- und Gesichtsschutz sowie Handschuhen und eng anliegender Kleidung, die keine Gefahr birgt, in die Säge zu geraten. Manche Kurse stellen die Motorsäge bereit. Bei anderen gilt es, sie zur Schulung mitzubringen.
Theorie und Praxis im Namen der Sicherheit
Je nachdem, welchen Kurs man wählt, kann er zwei oder drei Tage dauern. Die theoretischen Bestandteile sind dabei oft der erste Schritt. Hierbei geht es um Sicherheitsvorschriften und gesetzliche Grundlagen, den Aufbau und die Wartung der Motorsäge sowie die Themen Unfallprävention und Erste-Hilfe-Maßnahmen. Außerdem zählen Umweltaspekte wie Lärmschutz, Bodenschonung und Kraftstofflagerung zum Programm. Sind diese Aspekte ordnungsgemäß unterrichtet, kann es in die Praxis übergehen. Dabei erlernen die Teilnehmer, wie die Motorsäge gestartet, geführt und gestoppt wird, welche Schneid- und Fälltechniken für liegendes sowie stehendes Holz geeignet sind und wie man mit Spannung im Holz umgeht – beispielsweise beim Schneiden von Stämmen. All diese Aspekte dürfen unter Aufsicht eines erfahrenen Ausbilders geübt werden, und am Ende schließt man mit einem kleinen Test oder einer praktischen Demonstration ab. Das Ganze kostet in der Regel zwischen 100 und 200 Euro und befähigt die Personen, die Kettensäge sicher und mit der entsprechenden Genehmigung auch außerhalb des eigenen Grundstücks zu nutzen.
